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Briefe gegen Unrechtsurteile

BriefmarathonMit dem Todesurteil gegen einen 15-jährigen Süd-Sudanesen und einer Haftstrafe für eine 24-jährige Iranerin wegen des Protests gegen den Kopftuchzwang wollten sich Schülerinnen und Schüler des St.-Michael-Berufskollegs nicht abfinden. Sie beteiligten sich am Freitag am Briefmarathon der Menschenrechtsorganisation Amnesty International. Im Religionsunterricht waren die Jugendlichen auf die Idee gekommen.
Religionslehrerin und Pastorin Dr. Petra Gosda hatte mit ihren Schülern der WG 11 über Menschenrechte gesprochen. „Das entwickelte direkt eine Eigendynamik, wir bekamen Informationen über diese beiden und andere Fälle. Das wollten die Schüler nicht so auf sich beruhen lassen“, berichtete die evangelische Theologin. Schnell war der Kontakt zur Ahlener Amnesty-Gruppe geknüpft und am Freitag konnten die Schülerinnen und Schüler sich mit ihrer Unterschrift gegen das Unrecht wenden.
Es geht dabei zum einen um das Todesurteil für den Südsudanesen Magai Matiop Ngong. Beim Spiel, so Amnesty, habe sich ein Schuss aus dem Gewehr des damals 15-Jährigen gelöst und seinen Cousin getötet. Daraufhin sei der Junge in einer Verhandlung ohne Rechtsbeistand, gegen die UN-Kinderrechtskonvention und die dort bestehenden Gesetze wegen Mordes zum Tode verurteilt worden. Dabei verböten die Landesgesetze die Todesstrafe für Minderjährige. Das war vor zwei Jahren. Inzwischen habe der junge Mann einen Rechtsbeistand und Berufung gegen das Urteil eingelegt.
Für ihre offen getragenen Haare habe die Iranerin Yasaman Aryani eine hohe Gefängnisstrafe bekommen. Die 24-Jährige habe unbedeckten Haares mit ihrer Mutter Blumen an Frauen in der Teheraner U-Bahn verteilt. Ein Video dieser Aktion zur Toleranz habe sich schnell im Internet verbreitet. Einen Monat später sei die junge Frau eingesperrt worden. Sie sollte gestehen, als Werkzeug ausländischer Mächte zu agieren. Am 31. Juli seien Tochter und Mutter zu einer 16-jährigen Haftstrafe verurteilt worden. Damit teilen sie das Schicksal von über 40 weiteren Frauen, die sich für die Selbstbestimmung einsetzen. Ein Zustand, den nicht nur Lea ten Brink unerträglich fand. Die 18-Jährige und ihre Klassenkameraden unterzeichneten mit weiteren Schülern Briefe gegen diese Urteile. Die Briefe werden von Amnesty an die zuständigen Stellen der jeweiligen Staaten geschickt. Dr. Petra Gosda war sicher: „Das können über 100.000 Briefe werden, das macht auch mit dem stursten Diktator etwas.“
(Peter Schniederjürgen, Ahlener Zeitung, 16.12.2019)