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Osterbotschaft

KerzeLiebe Schülerinnen und Schüler,
liebe Kolleginnen und Kollegen,
liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Normalerweise feiern wir am letzten Schultag vor den Osterferien unseren gemeinsamen Schulgottesdienst. In diesem Jahr ist es anders, da der Corona-Virus auch unser schulisches Leben seit 3 Wochen unterbrochen hat. Wenn wir uns seither nicht mehr physisch in der Schule begegnet sind, so haben wir doch auf digitaler Weise einen anderen „Schulalltag“ erlebt, der für uns vor Kurzem noch unvorstellbar war.

Ein ausgefallener Schulgottesdienst und dazu die Absagen aller Gottesdienste - nicht nur im Bistum Münster - bis auf Weiteres, drängt sich da nicht die Frage auf: Fällt Ostern in diesem Jahr aus? Gerne möchte ich euch auf diesem Weg einige Gedanken zur Beantwortung der Frage mit auf den Weg geben.

Nein, Ostern fällt nicht aus und wird auch nie ausfallen! Im Gegenteil, das Geheimnis und die Spannung, die sich von Gründonnerstag bis Ostern durchzieht, erleben wir zurzeit bereits jeden Tag. Da gibt es viele Menschen, die sich – wie am Gründonnerstag geschehen - in innigster Hingabe in den Dienst nehmen lassen, um für andere da zu sein, um ihnen im übertragenen Sinne „die Füße zu waschen“. Ärzte und Pfleger in den Krankenhäusern, die Beatmungsgeräte steuern, Altenpfleger, die sich um älteren Menschen in den Pflegeeinrichtungen kümmern. Nicht zu vergessen die vielen Mitarbeiter in den Lebensmittelgeschäften, die unermüdlich Sorge für uns tragen und die Regale nachfüllen.

Zur Tragik dieser Tage und Stunden gehört leider auch, dass zahlreiche bereits heute ihre Karfreitagserfahrungen durchleben. Jene, die mit dem Corona-Virus infiziert und absolut isoliert in den Krankenhäusern liegen oder jene, die ihre Sterbestunde ohne die Gegenwart ihrer lieben Angehörigen, ohne das auch nur einer ihre Hand halten kann, durchleiden!

Diese abgründige Stimmung des Karfreitags, die sich am Karsamstag in einer Stimmung zwischen Resignation und Hoffnung auf Veränderung fortschreibt, findet sie sich nicht auch in unserem Erleben einer beklemmenden Stille des social distancing wider? Erfahren nicht zahlreiche die häusliche Quarantäne als schier erdrückend und kaum mehr aushaltbar? So zeigt die auferlegte Verlangsamung durch die Ausgangsbeschränkung in diesen Tagen vielfache Wirkung.

Und gerade in diese Situation hinein erleben wir auch Augenblicke, die die österliche Begegnung mit dem Auferstandenen, nicht erst am jüngsten Tag, sondern bereits heute erfahren lässt, mitten in unserem Alltag. Da, wo wir uns öffnen, wo wir mit liebender Zuwendung dem anderen gut sind. Wo wir achtsam im Hören des Nächsten Sehnsucht begreifen, wo wir mit den Augen des Herzens seine Armut tatkräftig in den Blick nehmen. Der auferstandene Jesus ist überall da, wo sich Angst in Mut umkehrt, wo Solidarität die Einsamkeit verwandelt, wo Hoffnung wider alle Hoffnung wächst, wo die Liebe den Hass zu überwinden vermag.

Am Ostersonntag sollen in den evangelischen und katholischen Kirchen Nordrhein-Westfalens von 9.30 bis 9.45 Uhr die Glocken läuten und die frohe Botschaft von der Auferstehung Jesu verkünden. An unserer Schule hat es eine gute Tradition, zu besonderen Momenten eine Kerze als Zeichen der Hoffnung zu entzünden. So lade euch dazu ein, dies genau zu diesem Zeitpunkt zu tun, damit wir uns gemeinsam in der Hoffnung bestärken: Jesus ist wahrhaftig auferstanden. Und da er auferstanden ist, haben wir allen Grund zur Annahme, dass alles sich zum Guten wenden wird! Halleluja!
Johannes Gröger, Schulseelsorger